WARUM BERNIE SANDERS JETZT GEWINNEN KANN

Die Ergebnisse des „Super Tuesday“ sinnvoll zu analysieren, setzt voraus, sich an den Zahlen zu orientieren – nicht am Spin in vielen Medien, die Bernie Sanders nach dem Super Tuesday für tot und beerdigt erklären. Das Gegenteil ist der Fall.
Hillary Clinton hat sieben Staaten gewonnen. Bernie vier.
Aber um das richtig einzuschätzen, muss man genau hinschauen: wer hat warum welche Staaten gewonnen, wer hat wie viele Delegierte gewonnen und was bedeutet das für das weitere Rennen?
Beide haben mit großen Mehrheiten ihre Heimatstaaten Arkansas respektive Vermont geholt. Geschenkt.
Hillary hat ansonsten im tiefen Süden mit hohen Prozentsätzen abgeräumt, in Tennessee, Texas, Alabama, Virginia und Georgia. Diese Staaten haben einen hohen Anteil afro-amerikanischer Wähler. Aufgrund der immer noch gut besuchten schwarzen Kirchengemeinden verfügt die schwarze Community über einen Mechanismus, ihre Leute zuverlässig zu mobilisieren. Es gibt erste Einbrüche der Sanderskampagne in die afro-amerikanische Community, aber hier zu punkten braucht noch Zeit.
Der Zeitfaktor spielte bisher gegen Sanders. Dabei wirkt sich der geringere Bekanntheitsgrad bisher negativ aus. Hillary Clinton war First Lady. Hillary Clinton war Außenministerin unter Obama. Jeder Amerikaner kennt Hillary Clinton. Aber es ist auch wahr, dass die Mehrheit der Amerikaner Hillary Clinton nicht mag und nicht für vertrauenswürdig hält.
Bernie Sanders war nahezu unbekannt und er ist immer noch keine amerikaweite Größe. Diese Lücke rechtzeitig zu schließen, bevor Hillary Clinton uneinholbar vorne läge, war das strategische Ziel der Sanders-Kampagne in der erste Phase. Das ist gelungen und die Ergebnisse des Super Tuesday verschaffen Sanders jetzt genug Zeit, weiter Boden gut zu machen. Und die Leute mögen ihn, je mehr sie ihn kennenlernen. Bei Clinton ist das umgekehrt…
Zudem haben die Demokraten in jenen Staaten, die Clinton nun gewann, bei der Präsidentschaftswahl keine Chance.  Völlig gleichgültig, wer für sie antritt: Alabama und Tennessee werden an die Republikaner gehen.
Ebenso wird Massachusetts an die Demokraten gehen, mit Clinton genau wie mit Sanders. Am Dienstag gewann dort Hillary mit 1% Vorsprung. Die Delegierten verteilten sich nahezu 50:50. Vor zwei Monaten lag Clinton in Massachusetts scheinbar uneinholbar vorne.
Gewinnen konnte Sanders in Colorado und in Minnesota. Das sind vergleichsweise große Staaten. Und Sanders gewann deutlich: mit jeweils 20% Vorsprung!
Diese Staaten sind bei der Präsidentschaftswahl „Swing States“ – je nach Kandidat und Kampagne können sie an die Demokraten oder an die Republikaner fallen. Vieles spricht dafür, dass Sanders sie holen könnte und Clinton nicht.
Schließlich gewann Sanders in Oklahoma, mit 10% Vorsprung. Dieser Staat ist klein und hält wenige Delegierte bereit. Aber er ist aussagekräftig, denn die Demographie dort fällt etwas aus dem Raster der bisherigen Sanders-Siege. Ein Drittel der Bewohner insgesamt und 41% der jüngeren Bürger gehören ethnischen Minderheiten an. Sanders kann also auch in Staaten mit großer afro-amerikanischer und hispanischer Bevölkerung punkten.
Alles in allem hat Clinton am Super Tuesday deutlich gewonnen. Sie hat mehr Delegierte geholt und mehr Staaten gewonnen als Bernie Sanders. Aber sie hat auch bei den Vorwahlen 2008 am Super Tuesday gewonnen. Am Ende hat sie gegen Barack Obama verloren.
(Die Gesamtergebnisse hier: http://www.nytimes.com/elections/results)
Wie geht es jetzt weiter?
Clintons stärkste Bastionen haben bereits gewählt. Jetzt geht das Rennen in Staaten, die eher Sanders begünstigen. Und das entscheidende Datum ist der 15. März. An diesem Tag werden große und bei den Präsidentschaftswahlen entscheidende Staaten wie Ohio und Florida wählen. Die Sanders-Kampagne hat den Super Tuesday von Anfang an für sehr schwierig gehalten, sich auf wenige Staaten konzentriert und den 15. März als den Tag ihres Gegenschlags auserkoren. Die Vorwahlen bis dahin sehen Sanders als Favoriten.
Sollte Sanders gelingen, am 15. März mit Clinton gleichzuziehen, geht das Rennen auf die lange Bahn. Erstmalig könnte dann Kalifornien, das weit hinten im Vorwahlkalender liegt, aber sehr viele Delegierte bereit hält, die Entscheidung bringen. Und die fiele vermutlich für Sanders aus, denn Kalifornien steht weit links, und der Silicon Valley hasst Clinton leidenschaftlich – als die überwachungswütige kleine Schwester des großen Bruders…
Währenddessen steigt der Druck innerhalb der Demokraten, die einseitige Parteinahme der Parteibürokratie für Hillary Clinton zu beenden. Denn immer mehr Demokraten sehen, dass Sanders weitaus bessere Chancen hätte, gegen Donald Trump zu siegen. Ausnahmslos alle Umfragen bestätigen diese Einschätzung.
Dass die Mainstreammedien Sanders jetzt totsagen, zeigt, dass er durchaus als Bedrohung etablierter Interessen gesehen wird und mag eine kurzfristige Wirkung entfalten. Aber auch in den USA sind die Zeiten vorbei, in denen die Konzernmedien die Meinung alleine machten.
Der Zustrom der Kleinspenden für Sanders hält jedenfalls unvermindert an. Am letzten Tag vor dem Super Tuesday alleine bekam Sanders $5 Millionen gespendet. Seine Kampagne ist bestens organisiert, seine Kundgebungen ziehen weiterhin Tausende, ja: Zehntausende Besucher an und er hat eine klare Strategie, die durch den bisherigen Verlauf kein bisschen infrage gestellt wurde.
(Hier: Sanders Kundgebungen VS Clinton Kundgebungen: http://usuncut.com/news/how-tonights-bernie-sanders-rally-compared-to-hillary-clintons/
Für einen letztendlichen Sieg Clintons spricht dennoch und weiterhin vieles: die Unterstützung der Parteibürokratie, die skrupellos am Ausgang der Vorwahlen schraubt; die Unterstützung weiter Teile der Mainstreammedien; ihre starke Basis unter Afro-Amerikanern, die bei den demokratischen Vorwahlen eine entscheidende Wählergruppe darstellen.
Aber das Rennen ist bei weitem nicht vorbei – und einiges spricht dafür, dass es für Bernie Sanders jetzt erst richtig anfängt.
Stay tuned.
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