Schützt die Muslime im Westen!

„Nach Paris: Von Israel lernen, heißt mit dem Terror fertig werden“, schreibt Marko Martin in Springers „Welt“. Illustriert ist der Text mit einem Foto vom Strand, darauf eine Polizei zwischen den Badenden patrouilliert, die man anderswo für ein Spezialkommando des Militärs halten würde.

Diese Idee, dass Israel als Erfolgsmodell für Europa dienen könnte, ist ein echtes Highlight in der an Verrücktheiten nicht armen Mediendebatte nach den Pariser Anschlägen.

Wie sähe dieses „Lernen von Israel“ konkret aus? Neukölln wird dann das Gaza von Berlin und Hamburg-Altona unsere Westbank? Wir bauen eine Mauer um den Wedding und rücken militärisch in Köln-Mühlheim ein?

Ich kann der aktuellen Situation in Israel/Palästina nicht allzu viel Erstrebenswertes abgewinnen – auch nicht aus Sicht der Israelis, die in einem ständigen Belagerungszustand leben: belagern und belagert werden. Wer drauf verzichten kann, sollte dankbar sein.

Und heißt „von Israel lernen“ auch, dass wir die Wehrpflicht wieder einführen und die Jugend ebenfalls drei Jahre lang in die Armee stecken wollen? Sollten wir dann auch aus dem Atomwaffensperrvertrag aussteigen und die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention und der Biowaffenkonvention wieder rückgängig machen?

Der ganze Ansatz ist irrsinnig und ein Rezept für die Zementierung eines unmöglichen Zustands. Sehr viel abgewinnen kann ich dagegen einem Satz von Yitzhak Rabin, wonach wirtschaftliche Entwicklung und ein vernünftiger Lebensstandard die einzige Möglichkeit sind, den Sumpf des radikalen Islamismus auszutrocknen.

Der Autor der „Welt“ meint aber nicht das Israel, das dem späten Yitzhak Rabin vorschwebte. Was er uns als Vorbild nahelegt, ist offenkundig eher das Israel jenes Mannes, den das liberale Israel und die israelische Friedensbewegung für Rabins geistigen Mörder halten: das Israel von Benjamin Netanjahu, der kürzlich auch noch die Verantwortungslosigkeit besessen hat, die Schuld der Nazis am Holocaust zu relativieren, um dieses Jahrtausendverbrechen … den Palästinensern anzulasten.

Wahrlich, wahrlich: verrückter, gefährlicher, geistiger Müll schwappt dieser Tage durch die Gazetten des terrorhysterischen Westens.

Nebenbei wird noch „ethnic profiling“ als notwendige Maßnahme für unser aller Sicherheit angepriesen: also institutionalisierter staatlicher Rassismus und systematische Polizeischikanen gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe.

Ich sage es in unmissverständlicher Deutlichkeit: meine Solidarität gilt in diesen Tagen den muslimischen Menschen in den Staaten des Westens. Sie sind seit 2001 einer rassistischen Dauerkampagne ausgesetzt und auf dem besten Wege, als ideeller Gesamtsündenbock herhalten zu müssen. Sie stehen einer echten und wachsenden Gefahr gegenüber, staatlich und gesellschaftlich ausgesondert und stigmatisiert zu werden – sie brauchen deshalb echte und wachsende Solidarität.

 

 

 

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4 Kommentare

  1. michael olpp · November 20, 2015

    du kannst auch, wie deine weggefährten aus der querfront ,deine antiisraelische hasspredigten nur schwer als sogenannte linke position verbrämen…kein wirklich kritischer geist wird darauf reinfallen, da könnt ihr euch noch so anstrengen…und diese geheuchelte solidarität mit den moslems hierzulande kaufe ich euch auch nicht ab…ich hoffe inbrünstig, dass diese geheuchelte linke sektion der querfront (wie auch kenfm,etc.) von allen wirklichen kritischen leuten hierzulande entlarvt und abgelehnt wird…

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  2. H.Ewerth · November 20, 2015

    Die Arroganz und Ignoranz des Westens ist einfach nur noch unerträglich.
    Um es vorweg zu sagen: Meine Anteilnahme gilt den Opfern, aller Toten, den Verletzten und den unzählbaren Angehörigen der Opfer der Terroranschläge. Aber auch der ca. 1,0 Mio. Opfer durch die Völkerrechtswidrigen Kriege und Drohnen Einsätze des Westens in anderen Länder. Kein politisches Ziel, keine Ideologie ist es Wert, dass dafür Menschen ihr Leben lassen müssen. Jedes Menschenleben, das durch Gewalt ausgelöscht wird, ist ein Menschenleben zu viel.
    Aber die Arroganz und Ignoranz des Westens ist einfach nur noch unerträglich. Wenn ich im Westen in aller Regelmäßigkeit höre, und lese, wenn man von feigen Anschlägen spricht. Ja, stimmt, aber was sind dann westliche Drohnen Einsätze, und Völkerrechtswidrige Kriege? Hier werden zu sehr Ursachen und Wirkung verwechselt. Solange der Westen mit gerade einmal 10% der Weltbevölkerung, den Rest der Welt als seine Kolonien betrachtet und auch so behandelt, braucht sich niemand über Terrorismus und Flüchtlinge beschweren. Denn die Ursachen liegen in erster Linie an der imperialen aggressiven Kolonialen Außen Politik des Westens. Warum wird denn nicht gegen Waffenexporte im Westen protestiert? Warum nicht gegen Drohnen Einsätze? Warum nicht gegen völkerrechtswidrige Kriege des Westens? Warum nicht gegen Folter und Entführungen durch den Westen? Warum nicht gegen Guantánamo? Die reichen Länder schicken Drohnen, die armen Länder Terroristen?
    Warum nicht gegen die Destabilisierung von Ländern protestieren? Warum nicht gegen die Sanktionen des Westens protestieren? Warum nicht gegen das leer fischen der Meere durch westliche Fangflotten? Warum nicht gegen einseitige Handelsabkommen des Westens? Warum nicht gegen Landraub/Landgrapping? Warum nicht gegen die Privatisierung von Trinkwasser? Die Ursachen solcher Anschläge, liegen in den zum Teil o.g. Gründen.
    Die Menschen welche Terroranschlägen zum Opfer gefallen sind, scheinen mehr Wert zu sein, als Menschen aus anderen Kulturkreisen, wenn das anders wäre, dann würde man die Millionen Tötungen und Ermordungen, durch den Westen, an den Pranger stellen? Was sind mehr als eine Million tote, seit dem „War on Terror“ des Westens, im Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien usw.? Täglich sterben einhunderttausend Kinder an Hunger und deren Folgen von Hunger auf dieser Welt, während der Westen täglich Tonnenweise Lebensmittel wegwirft. Die Erderwärmung durch den Klimawandel, in erster Linie durch den Westen verursacht, aber zuerst die ärmsten Regionen der Welt zerstört? Wie sagte schon Jean Ziegler in seinem Buch sehr treffend: DER WESTEN EIN IMPERIUM DER SCHANDE“ Dem kann ich nur zustimmen. Würden die Medien und Verantwortlichen im Westen ihrer Verantwortung gerecht, dann würde man die Bürger im Westen darüber informieren, und in der Mehrheit nicht Terroranschläge verurteilen, aber deren Ursachen nicht.

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  3. H.Ewerth · November 20, 2015

    @Michael Klopp,
    Vor lauter Hass können Sie wohl nicht mehr zwischen Ursachen und Wirkung unterscheiden. Wenn die Argumente fehlen, dann wird man beleidigt. Wie sagte schon Goethe:Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

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  4. brennholzverleih · November 20, 2015

    Moin.
    Ich stimme zu, in jedem einzelnen Punkt, danke!
    Mehrere „Welt“-Kommentatoren sind offensichtlich schon mitten in der Radikalität angekommen. Zeter und Mordio sind ihre Losungen für Sodom und Gomorrha als ihr Ziel. Aber wenn die Lage sich wieder beruhigt, ist die „Welt“ wieder ganz gemäßigt konservativ-neolib und angesehenes Leitmedium. Shock and awe nutzen sie zur geistigen Umprogrammierung, aber meiner Einschätzung nach wird es noch einige solcher Angriffe geben müssen, um die gesellschaftliche Mitte zu kidnappen.

    Btw, neulich kam es vor, daß ich sogar Merkel unterstützen wollte. Dennoch fühle ich mich mit der „Welt“ definitiv nicht solidarisch. Gehöre ich jetzt zu irgendeiner Querfront?
    Wohl dem, der eine eigene inhaltliche Haltung schon hat. Würde er doch sonst geistig zwischen allen Mühlsteinen fein zerrieben, Heil Nato, die du bist unser Kitt in Ewigkeit.

    gruß brennholzverleih
    .

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