Globales Chaos und eine Allianz der Entschlossenen

Das Chaos, das derzeit in der Welt losbricht, nötigt sogar mir als erfahrenem Chaoten durchaus Respekt ab. Erfreuliches und Grauenvolles, unfassbare Niedertracht und große menschliche Schönheit, Zeichen eines besseren Weltaufgangs und Zeichen des Untergangs – alles hübsch nebeneinander.
Einige Schlaglichter:
In Griechenland ist herzlich unklar, wie es bei den Wahlen ausgehen und überhaupt weitergehen wird. Die Türkei ist zwischen antikurdischen Progromen und einer Rebellion gegen Erdogans AKP-Regierung im Aufruhr. In England bringt Jeremy Corbyn die Labourpartei von links durcheinander, in Frankreich marschiert der Front National scheinbar unaufhaltsam Richtung Macht.
In Deutschland weißt Du auch nicht, ob Du Dich über die Generalmobilmachung des Rassismus und Neofaschismus auskotzen oder über diese Welle der Solidarität mit den Vertriebenen frohlocken sollst.
Der globale Marsch der Vertriebenen selbst entwickelt derweil zunehmend Aspekte einer echten, sozialen Massenbewegung weltweiter Dimension. In Indien ziehen die Gewerkschaften – von uns völlig unbemerkt! – einen Generalstreik mit 300 Millionen Leuten ab. Krieg tobt, schwelt oder droht derweil an zahlreichen Ecken dieser schönen Erde. Und um die Weltwirtschaft macht sich spätestens seit der Crash-Dynamik in China nur keine Sorgen, wer schon rein gar keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen hat.
Was tun, in diesem großen Durcheinander?
Ich merke zunehmend, dass die Antwort vor allem darin liegt, etwas zu TUN. Kleinigkeiten, wie die Kiste Zwetschgen die gestern von unserem Schlossgarten zum lokalen Asylheim gewandert ist; Aktionen wie dieser unglaubliche Hungerstreik von Ralph Boes gegen das HartzIV-Regime.
Aber auch der Versuch größerer Würfe sollte uns ganz praktisch beschäftgen: der Versuch nämlich, eine Allianz der Entschlossenen nicht nur geistig, emotional und moralisch herzustellen – sondern diese Allianz der Entschlossenen als handlungsfähige, schlagkräftige politische Organisation zu begründen.
Diese Allianz der Entschlossenen sollte verschiedene Quellen und Traditionen strategisch vereinigen, ohne sie aufzuheben. Die Allianz der Entschlossenen sollte sich auf einer humanistischen Basis um den Dreiklang „Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit“ herum organisieren und eine grundsätzlich globale Ausrichtung haben. Gemäß der Erkenntnis, dass eine globale Krise nur global gelöst werden kann, sollten alle konkreten Phänomene, die man lokal sehr konkret durch eine aktionsorientierte Praxis angeht, an die Analyse des kapitalistischen Weltsystems und seiner möglichen Überwindung hin zu einer solidarischen Ökonomie angebunden sein.
Ja, das ist noch sehr allgemein und klingt eventuell plump. Aber am Anfang dieser Organisierung einer humanistischen Allianz kann, darf und sollte kein fertiges Programm stehen. Sondern der Wille zur Entschlossenheit und die massenhafte, jeweils ganz persönliche Entscheidung für eine entschlossene Praxis.
Diese Allianz der Entschlossenen kann jetzt unmittelbar vorbereitet werden – wirklich geboren werden kann sie nur aus konkreten Kämpfen, aus praktischen Aktionen und aus den daraus resultierenden inhaltlichen Verständigungsprozessen vieler Entschlossener heraus.
Wie, als erster Schritt, wäre es jedenfalls mit der Organisierung einer Strategiekonferenz der Entschlossenen?
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