Erklärung an die Kulturkommission der Antifa Zella-Mehlis (KKAZM)

Sehr geehrte Genossinnen und Genossen! Vielen Kolleginnen und Kollegen aus Literatur, Musik und darstellenden Künsten ist es in der Vergangenheit vergönnt gewesen, ihre künstlerischen Arbeiten vor staatlichen Kommissionen zu rechtfertigen. Ich bin höchst erfreut, nun auch in diesen Genuss zu kommen. Umso größer ist meine Freude, als diese Kulturkommission in meinem Fall nicht etwa von einer staatlichen Zensurbehörde gebildet – sondern von der ruhmreichen Antifa Zella-Mehlis ins Leben gerufen worden ist. Selbstverständlich bin ich deshalb gerne bereit, mich der von der KKAZM eingeleiteten Prüfung meiner antifaschistischen Gesinnung zu unterziehen und nehme wie folgt Stellung. Die KKAZM wirft mir vor:

<<Ausschlaggebend (…) waren u.a. zwei Liedtexte, in denen er Henryk M. Broder bezichtigt für die Attentate durch Anders Behring Breivik in Oslo und auf Utoya mit verantwortlich zu sein und in dem überhaupt ein verschwörungstheoretisches Raunen kaum zu ignorieren ist. Weiterhin ein Text mit dem vielsagenden Titel „Jahr 100.000 Siegesnacht“, in der er die amerikanische Demokratie als „Burger-Faschismus“ bezeichnet.>>

Zu meinem Song „Utoya“ merke ich an:

Dieses Lied  https://www.youtube.com/watch?v=599XRB0J6Pc ist ein antifaschistisches Lied über ein faschistisches Attentat. Es weist in der Tat den Herren Broder, Sarrazin und Elsässer eine geistige Mittäterschaft am Attentat auf Utoya zu, indem sie mit ihren Worten zu Hass und Gewalt aufstachelten.
Zur Erinnerung: Anders Behring Breivik hatte in seinem „Manifest“, das er vor der Tat veröffentlichte, ausführlich Texte von Henyrik M. Brode zitiert und sich zustimmend auf dessen Äußerungen über Muslime und den Islam bezogen. Für die KKAZM scheint nun HMB dennoch ein Held des Antifaschismus sein. Für mich ist er ein schrecklicher Propagandist des antimuslimischen Rassismus.
Was das „verschwörungstheoretische Geraune“ angeht, wird es nach allem, was wir zum Beispiel über das Verhältnis zwischen NSU und Verfassungsschutz erfahren und auch nicht erfahren durften, wohl durchaus legitim sein, die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen rechtsextremen Terroristen und Geheimdiensten auch bei diesem Attentat als Frage zu formulieren. Und genau das tut dieses Lied – etwas, was der KKAZM völlig zu Recht unmöglich ist, denn sie ist im Vollbesitze absoluter Wahrheiten und kann niemals fehlen: mein Lied, jedenfalls, …. es stellt Fragen.

Zu meinem Song „Jahrhunderttausendsiegesnacht“ merke ich an:

Der Song ist von 1999. Vor diesem Hintergrund bitte ich die KKAZM zunächst, mir mitzuteilen, ob auch die Vorlage alter Schülerzeitungen verlangt wird, in denen ich als Redakteur mitgewirkt habe? Ich würde diese Werke meinerseits gerne in das laufende Prüfungsverfahren meiner antifaschistischen Gesinnung einbringen, um zu belegen, dass ich schon als Schüler aktiver Antifaschist gewesen bin.
Ich bekenne mich jedoch schuldig, den Zustand der „amerikanischen Demokratie“, ja: der westlichen Demokratien insgeamt für stark verbesserungswürdig zu halten. Ich hatte gehofft, diese Haltung sei durch die antifaschistische Meinungsfreiheit gerade noch abgedeckt.
Den Song Jahrhunderttausendnacht auf die Formulierung „Burger-Faschismus“ zu reduzieren und mich zum „Antiamerikaner“ zu stempeln, geht ansonsten am Geist dieses Liedes vorbei. Das Lied mit dem „vielsagenden Titel“ beschreibt nämlich in humorvoller Art eine sozialistische Revolution in Amerika. Es ist geprägt von eindeutig positiven Bezügen auf die Widerstandsgeschichte, diverse US-amerikanische Städte und Personen sowie die Popkultur der USA.
Ich merke zu meinem vermeintlichen Anti-Amerikanismus desweiteren an, dass ich im Hauptfach Anglo-Amerikanische Geschichte studiert und bei meiner letzten USA-Reise auf dem Schlachtfeld von Gettysburg 100$ für Souvenirs rausgehauen habe. Aktuell hängt in meinem Schlosshof  neben den Fahnen Bayerns, Österreichs, Marokkos, Italiens, Schwedens, einer weißen, einer Regenbogen- und einer Piratenfahne auch ein Star Spangled Banner.
All dies kann durch Vorlage von Magisterzeugnis, Souvenirs und Lichtbildern belegt werden.
 Zum dritten Punkt, den mir die KKAZM vorwirft. Sie schreibt:
<<Prinz Chaos hat im letzten Jahr maßgeblich dazu beigetragen, die sogenannten „Montagsmahnwachen für den Frieden“ salonfähig zu machen. Dahinter verbergen sich Verschwörungstheoretiker und Antisemiten, die die Schuld am Weltübel wieder bei den Juden suchen, die gegen Israel hetzen und in weiten Teilen die Reichsbürgerideologie übernommen haben. Das war auch nicht naiv von ihm. Er wusste, was er tat und hat die Führungen der einzelnen Ortsgruppen sogar auf sein Schloss zu einer Art Klausur eingeladen.>>
 Hierzu merke ich an:
Was sich hinter den Mahnwachen für den Frieden „verbirgt“, bzw. wie dieses politische Phänomen einzuschätzen ist, ist seit fast einem Jahr Gegenstand einer kontroversen Debatte. Ich stelle fest, dass auch führende Köpfe der Linken, der Friedensbewegung und der Antifa hier eine andere Sicht- und Herangehensweise vertreten als die KKAZM.
Man mag nun meine Intervention in diese Bewegung an sich dennoch für einen schweren strategischen Fehler halten. Aber man sollte doch auch anerkennen, welchen Charakters diese Intervention war.
Eine Woche vor Beginn meiner Intervention habe ich dieses Video veröffentlicht, das eine zentrale Verschwörungstheorie (die sich auf das Federal Reserve System der USA bezieht) widerlegt und ihren antisemitischen Ursprung entlarvt.
Keine vierzehn Tage nach meiner Intervention wurde dieser von mir mitinitiierte Offene Brief veröffentlicht, der darauf abzielte, eine Firewall gegen Antisemitismus, Rassismus und Homophobie in die Mahnwachenbewegung einzuziehen:
– Den Charakter des Mahnwachentreffens auf Schloss Weitersroda verdeutlicht neben weiteren Videos auf youtube diese „Erklärung von Weitersroda“, die als Antwort auf einen Brief der Friedenskoordination verfasst und einstimmig verabschiedet wurde.
Ich hoffe, damit die Vorwürfe der KKAZM widerlegt bzw. Missverständnisse ausgeräumt zu haben.  Ich bitte darum, von der KKAZM nach diesen Erläuterungen Grünes Licht für eine weitere öffentliche Aufführung meiner beanstandeten Songs zu erhalten. Der Bescheid, nachdem ich künftig sämtliche Liedtexte vor ihrer Veröffentlchung der Clearingstelle der KKAZM zu überstellen habe, ist mir gestern per Einschreiben zugegangen. Ich bitte um Verständnis, dass dieses Dokument zunächst an die Königlich-Chaotische Rechtsabteilung weitergeleitet wurde.
Mit antifaschistischen Grüßen
Prinz Chaos II.
PS: Meinerseits möchte ich ferner um eine Erklärung bitten, was genau mit einem Vorwurf gemeint gewesen ist, der gegenüber einem prominenten Mitglieds des Bündnisses „Dresden Nazifrei“, der mich in der Sache verteidigt hat, von der KKAZM erhoben wurde:
<<Prinz Chaos hat sich im vergangenen Jahr zum Teil einer konformistischen Revolte gegen die Stellvertreter der Abstraktion gemacht und damit antisemitische Stereotype tradiert.>>
Leider reicht mein geringer Bildungsstand nicht aus, diesen sicherlich ungemein gehaltvollen Satz inhaltlich zu erfassen.
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Ein Kommentar

  1. Toc8 · Februar 18, 2015

    Spannend und zugleich lächerlich, was bei dieser Antifa-Truppe abgeht. Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Denn die scheinen das ja ernst zu meinen. Das musste ich googeln, ich war geneigt, den ganzen Blog Post für eine Satire zu halten. So eine Antifa kann ich nicht ernst nehmen.

    Wer allerdings öffentlich andere als „Antisemitenfreund“ bezeichnet, könnte sich mal überlegen, ob er sich nicht rechtlich angreifbar macht. Das ist natürlich kein Argument für die Antifa, ich weiß, denn das hat ja mit dem Staat zu tun, und der ist grundsätzlich schlecht. Weiter geht es dann im Text damit: „Dass [der Prinz] sprechen durfte, ist ein Armutszeugnis für die Suhler Zivilgesellschaft.“ – Meinungsäußerung wird hier also als Armutszeugnis der Zivilgesellschaft gesehen. Liebe Antifa, ist das eigentlich schon Faschismus? (Quelle: http://www.agst.afaction.info/index.php?menu=news&aid=686)

    Vielleicht sollte man den Club einfach ignorieren? Oder haben die wirklich was zu sagen, außer diesen in Polemik ertränkten Berichten auf ihrer Homepage?

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