Roman-Preview: Der Kanarienquex jagt nach der „Wahrheit“ (1)

Der Roman mit dem derzeitigen Arbeitstitel „Shivas Paradize“ wächst in diesen Wochen seinem Ende entgegen. Endlich habe ich das Koan (=buddhistisches Lernrätsel) der unterschiedlichen Handlungsstränge lösen können. Es war, als ginge eine hochkomplexe, mathematische Gleichung mit ungezählten Unbekannten endlich auf.

Hier ein kleiner Auszug.

„Manometer! Die sauen uns wieder ein heute, des gibt’s doch gar nicht.“ rief der Quex empört ins Zimmer zurück. „Wer?“ fragte Fauna, die am Laptop saß, ihren Facebook-Account bereits aktualisiert hatte und jetzt bei gayromeo.com unterwegs war, Richtung Balkon zurück. KQ: „Ach, Chemtrails! Der ganze Himmel ist wieder voll mit der Scheisse!“

Fauna trat zu ihm und sah über die Hausdächer hinweg auf einen schlierenverhangenen Himmel. „Wenn das von Kondensstreifen kommt, fress ich meinen Kater!“ deutete KQ nach oben. Fauna verstand nicht, worauf der Quex hinauswollte. Der hob zu einer ausführlichen Erläuterung an.

Derzufolge sei es „eine erwiesene Tatsache“, dass die immer häufiger auftretenden Streifen am Himmel, die sich immer länger in der Luft hielten, eben gerade keine Kondensstreifen seien. Vielmehr würde von Sprühflugzeugen ein chemischer Cocktail ausgetragen, Silberjodid und Styroporteilchen seien unter anderem darin enthalten. Zum Teil würden diese Bestandteile auch dem Flugbenzin normaler Verkehrsmaschinen beigemischt oder über spezielle Düsen versprüht. Jedenfalls erkenne man Chemtrails daran, dass sie in der Regel als Gitternetzlinien ausgebracht würden und sich stundenlang nicht auflösten.

„Aha.“ meinte Fauna: „Und was wäre der Sinn der Operation?“

Das sei, wie KQ einräumte, noch nicht vollends geklärt. Es sei wohl einerseits ein Versuch der NWO, die Klimakatastrophe abzuwenden. Wetterbeeinflussung im globalen Stile, und das Styropor solle die UV-Strahlung reflektieren, um dadurch die Erderwärmung zu mildern. Denkbar sei aber auch oder zusätzlich zu These 1, dass die Chemtrails Teil eines Programms der psychologischen Kriegführung seien, „Massenverdichtungswaffen“, wie KQ das nannte. Einige behaupteten sogar, Chemtrails sollten die Möglichkeit globaler Projektionen schaffen, um am Himmel Symbole oder Figuren aufscheinen lassen zu können, mittels derer eine neue Weltreligion gestiftet werden sollte. Daran glaube er, KQ, nun eher nicht, obwohl er der NWO natürlich so gut wie alles zutraue.

Neutral Weather Opposition? Natural War Operation? Nationale Wetterorganisation? Neue Waffenoptionen? Donna Fauna überlegte vergeblich, wer oder was sich hinter „NWO“ verbergen könnte. Als sie KQ diesbezüglich fragte, erntete sie einen Blick von grenzenloser Überlegenheit. „Dass gerade Du das fragst, das ist echt ein Witz.“ freute sich der Quex: „Sonst bist ja immer Du die politisch Informierte. NWO – das ist die Neue Weltordnung.“

Fauna: „Und wer soll das sein?“

KQ führte mit großen Gesten aus, die NWO sei eine Oligarchie superreicher Magnaten, die Rockefellers, die Rothschilds und andere darunter, welche das Spiel der Nationalstaaten längst steuerten, Finanzkrisen und Katastrophen gezielt auslösten und überhaupt eine Strategie der Eskalation entwickelt hätten, eben mit dem Ziel, aus dem globalen Schlamassel eine Neue Weltordnung in ihrem Sinne zu formen. Die würden auch planen, der ganzen Menschheit Mikrochips unter die Haut zu pflanzen, Kondensstreifen seien das da oben auf gar keinen Fall, und dass die NWO die letzten vorbereitenden Schritte für ihren Weltputsch unternehme, sehe man ja nicht zuletzt an Haiti und Japan. Oder ob ihr, Fauna, etwa nicht klar sei, dass diese Erdbeben keine normalen Erdbeben gewesen, sondern mittels einer Erdbebenwaffe ausgelöst worden seien?

„Das war mir bisher nicht klar, nein!“ gab Fauna zu und war perplex.

Der Kanarienquex hatte sich seit Fauna ihn kannte nur widerwillig mit Politik beschäftigt. Spirituelle Bücher las er gerne, Philosophisches, Mystisches, Fantasybücher, Werke über Kunsttheorie und die Klassiker der psychedelischen Literatur. Die Niederungen der Tagespolitik hatte er gemieden. Zu hoch war das Quexvogeltier geflattert, hatte sich lieber verstiegen ins Abstrakte und Fiktive, als durch den Sumpf des Heutigen zu waten.

Gut. Reichlich verstiegen waren auch die gesammelten Thesen von Chemtrails, Erdbebenwaffen und der großen Weltverschwörung namens NWO, fand Fauna. Zudem befremdete sie der Eifer, mit dem KQ das alles vorbrachte. Das passte so gar nicht zu ihm. Und die faktenfreie Verkettung wilder Thesen zu einer besonders wilden Großthese, die KQ da veranstaltete, ging Fauna schon methodisch total gegen den Strich.

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